Lokale Sage

Das Licht am Moorpfad

Wenn abends der Nebel über den Weg zieht, berichten die Ältesten von einem Licht, das niemand halten – aber jeder finden kann.

Im Dorf sprach man nie laut darüber. Nur beim langsamen Gehen, zwischen den letzten Häusern und den stillen Feldern, tauchte es manchmal auf: ein blasses Leuchten, kaum heller als der Mond.

Wer rannte, verlor es. Wer stehen blieb, sah nur Dunkelheit. Doch wer in ruhigem Tempo weiterging, spürte eine seltsame Sicherheit, als würde jemand schweigend vorangehen.

Viele meinten, es sei die Erinnerung an Menschen, die den Weg früher bewachten. Andere sagten, das Moor selbst habe eine Seele, die sich den Eiligen entzieht.

Heute folgt kaum noch jemand dem alten Pfad. Doch an stillen Herbstabenden sieht man manchmal eine warme Linie im Nebel – und wer ihr mit offenem Blick folgt, kommt immer dort an, wo er wirklich hinmusste.